Als Peter Magyar im April 2025 die verfassungsmäßige Mehrheit errang, schrieb Ursula von der Leyen: «Ungarn hat sich für Europa entschieden». Aber eine Studie des Europäischen Rates für Internationale Beziehungen (ECFR) zeigt: Zwischen der pro-europäischen Wahl und der pro-ukrainischen – klafft eine Kluft.
Was die Umfrage zeigte
Unter den Wählern von Tisza wollen 77% eine Annäherung an die EU, und 64% erwarten von der neuen Regierung eine Verbesserung der Beziehungen zur Ukraine. Aber dann fallen die Zahlen drastisch: Finanzielle Unterstützung Kiews befürworten nur 24%, Waffenlieferungen hingegen 12%. Dies ist keine Opposition gegen Magyar, sondern ein Merkmal seines eigenen Wählerstamms.
Der Antiukrainismus wurde zum Instrument Orbáns, um seine Anhänger zu mobilisieren und gleichzeitig die Oppositionswähler zu spalten.
ECFR, Analyse der Umfrageergebnisse
Nach Angaben des ECFR betrachten nur 44% der Tisza-Sympathisanten Selenskyj als «guten Führungspolitiker» – und fast genauso viele, 42%, halten ihn für «schlecht». Die Frage der ukrainischen EU-Mitgliedschaft spaltet die Wähler der Partei genau in der Mitte.
Orbán verlor, aber «Antiukrainismus» bleibt
Eine Herbstumfrage des Analyseinstituts Policy Solutions, auf die sich Hlawkom bezieht, dokumentierte: Die Hälfte der Ungarn betrachtet die Ukraine als Bedrohung für Ungarn, 64% sind gegen den Beitritt Kiews zur EU, und 74% – gegen finanzielle Hilfe. Dies sind gesamtnationale Zahlen, doch sie erklären, warum Magyar im Wahlkampf das Thema Ukraine vorsichtig mied und stattdessen über Korruption, Krankenhäuser und Schulen sprach.
Tisza unterstützt offiziell die Position gegen die Entsendung von Waffen oder Truppen in die Ukraine – und gegen einen beschleunigten Beitritt Kiews zur EU. Orbán versuchte aktiv, Magyar als «pro-ukrainischen Agenten» darzustellen, doch Beweise tauchten nie auf. Das Paradoxe liegt darin, dass Orbán diesen Rahmen gar nicht brauchte: Die gesellschaftliche Skepsis gegenüber der Ukraine ist bereits in die Unterstützungsbasis der Opposition eingebaut.
Was bedeutet das praktisch
- Magyar versprach, die Frage der Unterstützung der Ukraine zur Abstimmung zu bringen – was angesichts der Stimmungen faktisch eine Verzögerung aller Entscheidungen bedeutet.
- Im Dezember 2025 blockierte Ungarn einen Kredit für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro, der zuvor auf Ebene der EU-Führungspersonen vereinbart worden war. Es hob sein Veto erst auf, nachdem Russland den Öltransit durch die «Druschba» eingestellt hatte.
- Unter den Tisza-Wählern sind die Hauptprobleme Korruption und Verwaltung (31%), nicht Außenpolitik (10%) – das heißt, es liegt in Magyars Interesse, das Ukrainethema an der Peripherie der Tagesordnung zu halten.
Die ECFR-Studie hält einen wichtigen Nuancen fest: Eine Neuausrichtung Ungarns mit Europa ist möglich, da ein Teil der Fidesz-Wähler auch die Annäherung an die EU unterstützt. Aber diese Annäherung an Brüssel ist kein Synonym für die Unterstützung Kiews.
Sollte Magyar die Frage der Hilfe für die Ukraine wirklich zur Abstimmung bringen, wird der echte Test nicht seine eigene Position sein, sondern ob die neue Regierung die gesellschaftlichen Stimmungen ändern kann, die sich über Jahre hinweg durch Orbáns Propaganda gebildet haben – und ob sie das tun will, angesichts der Tatsache, dass sein Mandat auf ganz anderen Themen ruht.