Orbán knüpft Freigabe von 90 Milliarden Euro Kredit an Wiederaufnahme der "Freundschaft"

Ungarn erklärte sich bereit, sein Veto gegen einen Kredit für die Ukraine zu heben – allerdings nur nach der Wiederinbetriebnahme der Ölpipeline. Was steckt hinter diesem Ultimatum und wie viel Kontrolle hat Kiew über die Situation.

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Віктор Орбан (Фото: EPA/Olivier Hoslet)

Der ungarische Premierminister Viktor Orbán erklärte, dass die Ukraine bereit sei, den Öltransit durch die Pipeline „Druschba" bereits ab Montag wieder aufzunehmen. Seinen Worten zufolge wird Budapest die Blockade eines 90-Milliarden-Euro-Kredits, den die EU der Ukraine gewähren plant, aufheben, sobald die Ölleitung wieder in Betrieb geht.

Formal klingt das wie ein Kompromiss. Aber die Details erschweren das Bild.

Was ist passiert

Der Öltransit durch „Druschba" wurde unterbrochen, nachdem die Ukraine das russische Unternehmen „Lukoil" – den wichtigsten Versorger für Ungarn und die Slowakei – auf die Sanktionsliste setzte. Kiew begründete dies damit, dass die Einnahmen von „Lukoil" die russische Kriegsmaschinerie finanzieren. Budapest und Bratislava bestanden darauf: Ohne dieses Öl würden ihre Raffinerien stillstehen und die Bevölkerung hätte eine Energiekrise zu bewältigen.

Orbán machte daraus einen Druckmittel: Ungarn blockierte die Verabschiedung eines großen EU-Kreditpakets für die Ukraine, bis Kiew nachgibt.

Was Kiew erhält und was es aufgibt

90 Milliarden Euro sind kein Zuschuss, sondern ein Kredit, der durch eingefrorene russische Vermögenswerte besichert ist. Für die Ukraine im Kriegszustand ist dies eine kritische Ressource: Ohne sie wird das Haushaltsdefizit kurzfristig unkontrollierbar.

Das Wiederaufnahme des Transits von „Lukoil" bedeutet hingegen, dass die Ukraine ihre eigenen Sanktionen gegen das Unternehmen faktisch lockert, das nach Schätzungen der Kyiv School of Economics jährlich Dutzende Milliarden Rubel an Steuern in den russischen Haushalt fließen lässt.

Dies ist keine technische Lösung – es ist eine politische. Und eben deshalb tut sie weh.

Orbán als Architekt des Drucks

Ungarn nutzt sein Vetorecht in der EU systematisch als Instrument bilateraler Verhandlungen mit Brüssel und Kiew. Diesmal ist das Schema dasselbe: eine Abhängigkeit schaffen, einen Ausweg unter eigenen Bedingungen anbieten, das Ergebnis als „Dialog" darstellen.

Charakteristisch ist, dass Orbán Ukraines Bereitschaft öffentlich verkündete – bevor Kiew die Details offiziell bestätigte. Das ist eine klassische Taktik: den Partner in den Medien vor vollendete Tatsachen stellen und den Spielraum für Manöver einengen.

Was kommt danach

Auch wenn „Druschba" ab Montag wieder arbeitet, bleibt die Frage offen, wie die Kontrolle funktioniert: Wer und wie wird überprüfen, dass die Transiteinnahmen nicht in mit der Kriegsfinanzierung verbundenen Strukturen hängen bleiben? Die Vereinbarung wurde, nach öffentlichen Aussagen zu urteilen, ohne klare Antwort auf diese Frage abgeschlossen.

Wenn Kiew der Wiederaufnahme des Transits ohne Audit-Mechanismus für „Lukoil" zugestimmt hat – wird dieser Präzedenzfall beim nächsten Mal, wenn Orbán eine Zugeständnis braucht, als Argument für sein nächstes Veto dienen?

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