Donnerstag, 14. Mai. CIA-Direktor John Ratcliffe setzt sich zum Verhandlungstisch in Havanna hin – einer Stadt, in der es in den östlichen Provinzen bereits seit mehreren Wochen keinen Strom gibt. Dies ist der erste Besuch des Leiters des amerikanischen Geheimdienstes auf Kuba nach der Revolution von 1953. Der formale Grund – eine Botschaft von Trump zu überbringen. Der eigentliche Subtext – komplexer.
Wer saß sich gegenüber
Nach Angaben eines CIA-Sprechers traf sich Ratcliffe mit drei kubanischen Beamten: Innenminister Lázaro Álvarez Casas, dem Leiter des kubanischen Geheimdiensts und Raulito Rodríguez Castro – dem Enkel von Raúl Castro, der in Havanna unter dem Spitznamen „Krabbe" bekannt ist. Letzterer gilt als Schlüsselfigur bei inoffiziellen Kontakten mit amerikanischen Beamten und langjähriger Schutzbegleiter seines Großvaters.
Ein Detail, das nicht in das diplomatische Protokoll passt: Álvarez Casas unterliegt persönlichen US-Sanktionen – gemäß dem Magnitski-Gesetz. Die Tatsache, dass Ratcliffe sich mit ihm an den Tisch setzte, bestätigt: Das Gespräch fand auf Geheimdienst- und Sicherheitsebene statt, nicht über das Außenministerium.
Eine Botschaft ohne Details
„Die Vereinigten Staaten sind bereit, in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen ernsthafte Zusammenarbeit zu pflegen – aber nur unter der Bedingung, dass Kuba grundlegende Veränderungen vornimmt".
Offizieller CIA-Sprecher
Was genau „grundlegende Veränderungen" bedeuten – wurde nicht präzisiert. Keine Aufzählung von Forderungen, kein Kontrollmechanismus, keine Fristen. Trump schrieb am selben Tag auf Truth Social: „Kuba bittet um Hilfe, und wir werden sprechen!!!" – drei Ausrufezeichen, aber ohne Konkretisierung.
Warum gerade jetzt
Kuba produziert weniger als 40% des für seine eigene Wirtschaft benötigten Brennstoffs. Den Rest lieferten jahrzehntelang Venezuela und Mexiko. Am 3. Januar 2025 führte das US-Militär eine Operation in Venezuela durch und entfernte Nicolás Maduro von der Macht – den Hauptöllieferanten Kubas. Danach versank die Insel in einem Energiekollaps: Massenausfälle, stillgelegte Krankenhäuser, Mangel an Brennstoff, Lebensmitteln und Medikamenten.
Die Trump-Administration verstärkte parallel den Sanktionsdruck – die sogenannte Strategie des „maximalen Drucks" – und versetzte Kuba am 20. Januar 2025 wieder auf die Liste der staatlichen Terrorismusunterstützer und widerrief damit Bidens Entscheidung.
Ratcliffe riet der kubanischen Seite nach Angaben von Axios direkt, „die Lektion aus der Operation vom 3. Januar, die Maduro in Venezuela gestürzt hat, zu verinnerlichen". Dies ist keine verhüllte Drohung – dies ist eine offene Machtdemonstration.
Bemerkenswert ist auch anderes: Das Treffen fand auf Anfrage Washingtons statt. Havanna bestätigte dies. Mit anderen Worten, nicht Kuba kam bitten – die USA kamen, um zu sprechen. Ein hochrangiger Beamter der Administration erklärte Reuters die Logik jedoch so:
„Sie haben keinen Brennstoff. Sie haben kein Geld. Niemand kann sie retten. Das Regime hält sich seit 1959, aber selbst sie verstehen, dass es Zeit ist, sich zu verändern".
Hochrangiger Beamter der Trump-Administration
Havannas Antwort: Ja und Nein gleichzeitig
Die kubanische Seite veröffentlichte eine offizielle Mitteilung, in der sie behauptet, Ratcliffe „bewiesen" zu haben, dass die Insel keine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA darstellt und keinen Grund hat, auf der Liste der Terrorismusunterstützer zu stehen. Präsident Miguel Díaz-Canel schrieb am nächsten Tag, dass Kuba bereit sei, humanitäre Hilfe von den USA anzunehmen – sofern diese gemäß internationalen Standards gewährt wird. Gleichzeitig fügte er hinzu, dass er eine Aufhebung der Blockade bevorzugen würde.
Havannas Formel lautet also: Wir sprechen, aber wir kapitulieren nicht. Wir nehmen Hilfe an, aber erkennen die Bedingungen nicht an.
- Was die USA wollen: „grundlegende Veränderungen" – ohne Erklärung
- Was Kuba anbietet: Dialog ohne Anerkennung von Schuld, Aufhebung von Sanktionen im Austausch für ein Gespräch
- Was fehlt: Kein Kontrollmechanismus, keine definierten Bedingungen, keine Fristen
Wenn Washington wirklich „grundlegende Veränderungen" will und nicht nur eine Machtdemonstration – sollte der nächste Schritt eine konkrete Liste von Forderungen mit klaren Kriterien enthalten. Falls eine solche Liste in den nächsten Wochen nicht erscheint, war Ratcliffes Besuch höchstwahrscheinlich nicht der Beginn von Verhandlungen, sondern eine Verwarnung vor einer Eskalation.