Der Sicherheitsratssekretär Rustem Umjarow wird nach Miami reisen, um sich mit dem Sonderbeauftragten des US-Präsidenten Steve Witkoff zu treffen. Nach Angaben von Bloomberg, die sich auf ungenannte Beamte des Weißen Hauses berufen, sollen die Verhandlungen bereits diese Woche stattfinden. Umjarows Sprecherin Diana Davitjan weigerte sich, die Reise zu bestätigen oder zu dementieren.
Dritte Runde, gleiches Schema
Miami hat bereits zweimal Verhandlungsrunden zwischen Delegationen der beiden Länder ausgerichtet. Im Dezember 2025 kam Umjarow zweimal: zunächst am 5.–6. Dezember, um sich nach dem Besuch von Witkoff und Jared Kushner bei Putin zu informieren, dann am 19.–21. Dezember in erweitertem Format mit Beteiligung des Generalstabschefs Andrii Chnatow und EU-Beratern. Mitte Januar fand eine weitere Runde statt — am 17.–18. Januar, an der auch Budanow und Arachamija teilnahmen, von amerikanischer Seite auch bereits US-Armeeminister Daniel Driscoll.
Nach jeder Begegnung veröffentlichten beide Seiten Erklärungen mit identischem Ton: „konstruktiv", „produktiv", „Arbeit wird fortgesetzt". Kein unterzeichnetes Dokument, keine angekündigte Frist.
Was auf dem Tisch liegt — und wo es leer ist
Nach den Dezember-Verhandlungen bestätigten Umjarow und Witkoff, dass die Seiten an vier Dokumenten arbeiten: einem 20-Punkte-Plan, einem „multilateralen Sicherheitsgarantie-Rahmendokument", „amerikanischen Sicherheitsgarantien für die Ukraine" und einem „Wirtschaftsprosperitätsplan".
„Unsere gemeinsame Priorität ist es, die Tötungen zu stoppen, garantierte Sicherheit zu erreichen und die Bedingungen für den Wiederaufbau, die Stabilität und den langfristigen Wohlstand der Ukraine zu schaffen."
— Rustem Umjarow nach Verhandlungen am 21. Dezember in Miami
Das Analyse-Institut OSW stellte jedoch fest: Die Reaktion der ukrainischen Seite nach den Dezember-Runden deutet auf das Fehlen jeglicher bedeutsamer Fortschritte bei Schlüsselfragen hin — dem Status des von der Ukraine kontrollierten Teils des Donbass, der Demarkationslinie und vor allem Sicherheitsgarantien. Der Mechanismus ihrer Umsetzung bleibt vage: Die Dokumente werden „abgestimmt", aber nicht unterzeichnet und enthalten keine Verpflichtungen einer der Parteien.
Trumps „Vereinbarung" und was außer Acht gelassen wurde
Am 28. Dezember trafen sich Selenskyj und Trump in Mar-a-Lago — fast drei Stunden hinter verschlossenen Türen. Trump sagte öffentlich, dass sie sich der Lösung der Donbass-Frage „sehr nahe" seien, „aber noch nicht ganz". Gleichzeitig erklärte er, dass er keine strikten Fristen setzt: „In den nächsten Wochen werden wir sehen, ob etwas daraus wird oder nicht."
Parallel dazu hat Moskau seine Position nicht weicher gemacht. Nach Bewertung des OSW hat Russland nach separaten Verhandlungen von Witkoff mit dem Kremling-Vertreter Kirill Dmitrijew in Miami seine Anforderungen sogar verschärft, statt sich einem Kompromiss anzunähern. Trump nannte Putins trotzdem „gut und großzügig" — obwohl keine einzige Entgegenkommen-Geste registriert wurde.
Warum Miami wiederholt wird
Kiew geht bewusst in jede neue Runde — auch ohne Erfolgsgarantie. Die Logik ist einfach: Die USA in der Verhandlungsspur halten und Washington keinen Grund geben, die militärische und Geheimdienst-Unterstützung einzustellen. Nach Bewertung des OSW ist die Ukraine bereit, jede amerikanische Vorlage zu diskutieren, um sie dann mit europäischen Partnern in eine akzeptable Form zu korrigieren.
- Sicherheitsgarantien — Kiews Hauptpriorität, aber das „Rahmendokument" enthält noch immer keinen durchsetzbaren Mechanismus.
- Territorialfrage — Selenskyj hält öffentlich an der Formel „respektieren das Land, das wir kontrollieren" fest, was faktisch bedeutet, die Besatzung nicht zu legitimieren.
- Rolle Europas — nach der Dezember-Runde betonte Selenskyj die Notwendigkeit breiterer EU-Konsultationen; Berater der EU-Führungspersonen haben bereits an einem Teil der Verhandlungen teilgenommen.
Die nächste angekündigte Phase nach der Januar-Runde — Konsultationen auf Teamebene in Davos. Aber die Liste der Dokumente und Teilnehmer wird erweitert, während substanzielle Verpflichtungen auf dem Papier bleiben.
Die Frage ist nicht, ob das Treffen in Miami stattfindet. Die Frage ist, ob in der abschließenden Erklärung mindestens ein Punkt mit einem konkreten Verifizierungsmechanismus auftauchen wird — denn genau dessen Fehlen verwandelt jede neue Runde in ein gut einstudiertes Ritual ohne rechtliche Konsequenzen.