Russland verkauft Benzin mit Gutscheinen — während die Armee auf Treibstoff von beschädigten Raffinerien wartet

Anschläge auf Ölraffinerien sind zu systematischem Druck geworden: Krasnodar, Rostow, das besetzte Mariupol — überall Warteschlangen und Rationierungen. Doch der entscheidende Punkt ist, ob die Krise die frontale Logistik schneller erreicht, als Moskau seine Lieferketten umgestalten kann.

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Der stellvertretende Direktor der Vereinigung für Energie- und Naturressourcen der Ukraine, Andriy Zakrevskiy, behauptet: Anschläge auf russische Raffinerien verursachen nicht mehr nur einmalige Schäden — sie schaffen eine systemische Krise des russischen Brennstoffmarktes. Die Situation vor Ort bestätigt dies.

Von Krasnodar bis Mariupol — mit Gutscheinen

Die massive Benzin- und Dieselknappheit, die zunächst die besetzten Krim betraf, ist schnell auf die Region Krasnodar und das Gebiet Rostow übergegangen. An vielen Tankstellen auf der Kuban und in der Region Rostow verschwanden Benzinsorten A-92 und A-95 sowie Diesel. In der besetzten Stadt Mariupol wird Brennstoff nur noch gegen Gutscheine abgegeben und es bilden sich bereits kilometerlange Schlangen. Die Besatzungsverwaltung von Sewastopol hat die Ausgabe von Gutscheinen vorübergehend eingestellt — Tankwagen konnten einfach nicht durch die beschädigten Logistikstrecken fahren.

„Es gibt Anschläge auf die Transportlogistik, Zerstörung von Lastwagen und Tankwagen. In der Transportader, die von Rostow zur zeitweilig besetzten Krim führt, wird fast 60–70 Prozent des Durchsatzes unterbrochen"

Pawlo Narozhnyy, Militärexperte, Radio NV

Der unabhängige Analyst Boris Aronstein charakterisierte die Situation als „die schärfste Krise der letzten Jahre" und wies darauf hin, dass der Umfang, die Koordination und die Wiederholung von Drohnenwellen Russland die Möglichkeit nehmen, schnell zu reagieren.

Wie viel Kapazität bereits verloren ging

Nach Angaben des BISI (Bloomsbury Intelligence and Security Institute) wurden etwa 20 % der Raffineriekapazitäten Russlands beschädigt — mindestens vorübergehend — durch Anschläge, deren Zahl 2025 um 48 % im Vergleich zum gesamten Jahr 2024 gestiegen ist. Nach Schätzungen von Analysten von Energy Intelligence hat Russland fast ein Drittel seiner Raffinierungskapazität verloren. Als Reaktion hat Moskau den Export von Benzin und Flugkraftstoff verboten.

Eine gemeinsame Recherche von RFE/RL, Frontelligence Insight und einer Gruppe von Freiwilligen schätzt den direkten Schaden durch Anschläge auf Raffinerien und Brennstofflager auf mindestens 60 Milliarden Rubel (etwa 714 Millionen Dollar). Unter Berücksichtigung der beschädigten Gasverarbeitungsanlage in Astrachan könnte die Summe 927 Millionen Dollar erreichen.

Die Rüstungsindustrie ist nicht unbeteiligt

Die Anschläge betreffen nicht nur Tankstellen. Der petrochemische Komplex in Novokuibyshevsk (Gebiet Samara) — ein zentraler Lieferant von Chemierohstoffen für die Herstellung von Sprengstoffkomponenten — wurde zweimal angegriffen: zunächst im Oktober 2025, als Drohnen die primäre Verarbeitungsausrüstung beschädigten, und dann erneut. Solche Objekte sind Teil einer integrierten Brennstoff-Chemie-Kette, die sowohl die Zivilwirtschaft als auch die Rüstungsindustrie bedient, wie Euromaidan Press vermerkt.

Nach Aussagen von Craig Kennedy von der Harvard University verlagert die Ukraine allmählich ihren Schwerpunkt — von Angriffen auf große Raffinerien zu Angriffen auf lokale Brennstoffverteilnetze. Dies hat eine stärkere Auswirkung direkt auf die Frontlogistik der Besatzer.

Haushalt und Zeitleisten

In den sieben Monaten des Jahres 2025 sind die Öl- und Gaseinkommen des russischen Haushalts um fast ein Fünftel auf 69,2 Milliarden Dollar gesunken, und die Einnahmen im Juli fielen um mehr als ein Viertel. Öl und Gas machen etwa 30 % des föderalen Haushalts aus, daher treffen Anschläge auf Raffinerien auch die Finanzierung des Krieges selbst. Der unabhängige Analyst George Voloshin warnt: Wenn die Ukraine das derzeitige Tempo der Anschläge beibehält, werden vorübergehende Betriebsstilllegungen von Anlagen zu systematischen Verlusten von Raffinierungskapazitäten führen.

Russische Analysten prognostizieren, dass der Kremlin aufgrund von Beschädigungen an Logistikknoten nicht in der Lage ist, Brennstoffströme zwischen Regionen schnell umzuleiten. In russischen Medien sind bereits Informationen über mögliche Brennstoffimporte aus Belarus aufgetaucht — ein Zeichen dafür, dass die eigenen Ressourcen zur Stabilisierung der Situation nicht ausreichen.

Eine kritische Frage bleibt offen: Wenn die Ukraine bis Ende 2025 das Tempo der Anschläge auf Raffinerien und Brennstofflogistik beibehält, wird Russland in der Lage sein, alternative Versorgungsketten aufzubauen, bevor die Fronteinheiten einen echten Brennstoffmangel verspüren? Von der Antwort darauf hängt ab, ob die Brennstoffkrise ein taktisches Unbehagen — oder eine operative Einschränkung für die russische Armee sein wird.

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