577.000 Tonnen Diesel pro Monat — und die Preisfrage bleibt offen

März 2026 verzeichnete einen Rekordimport von Dieselkraftstoff seit 2021: Der Treibstoff wird ausreichen, aber Händler wissen noch nicht, wie teuer er im April sein wird.

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Im März 2026 importierte die Ukraine 577.000 Tonnen Dieselkraftstoff — die größte Menge für jeden März seit 2021. Nach Angaben der Beratungsgruppe „A-95" ist dies 27% mehr als im Februar und 12% mehr als im Vorjahr. Doch hinter dieser Rekordziffer verbirgt sich kein Markttriumpf, sondern eine erzwungene Reaktion auf globales Chaos.

Warum so viel — und warum genau jetzt

Nach der Zerstörung des Hauptölverarbeitungsbetriebs des Landes durch russische Raketenattacken hat die Ukraine fast vollständig auf Importe umgestellt: 85%+ der hellen Mineralölprodukte stammen aus dem Ausland, überwiegend aus West-, Mittel- und Südeuropa. Der Märzsprung ist keine Steigerung des Verbrauchs, sondern eine vorzeitige Lagerbestandsbildung angesichts beunruhigender Signale vom Weltmarkt.

Der Auslöser war der Krieg im Iran. Die Großhandelspreise für Diesel in Europa, zu denen die Ukraine Treibstoff kauft, schnellten auf Rekordniveaus, mindestens seit Anfang der 1970er Jahre, in die Höhe. Der Direktor von „A-95" Sergej Kuwun beschrieb dies ohne Diplomatie:

„Die Londoner Börse ICE schloss bei Gasöl bei 1521 $/t, der Tagesanstieg betrug 155 $/t. Im März — ein Anstieg um mehr als das Doppelte. Das ist ein Rekord der letzten… Ich weiß nicht einmal, ob es solche Preise je gab".

Sergej Kuwun, Direktor der Beratungsgruppe „A-95"

Parallel dazu stoppte Ungarn im Februar den Export von Dieselkraftstoff in die Ukraine, was die Lieferstrecken weiter verengte und Händler zwang, Alternativen zu suchen.

Selenskyj im Nahen Osten — und was genau er unterzeichnet hat

Am 28. März teilte Präsident Selenskyj nach seiner Reise durch den Persischen Golf mit, dass er eine Lieferung von Diesel für mindestens ein Jahr vereinbart hat. Nach seinen Angaben geht die Umsetzung dieser Vereinbarung an „Naftohaz" und relevante Unternehmen über. Nach Angaben von NV unter Berufung auf die WSJ schloss die Ukraine im Rahmen derselben Reise 10-Jahres-Kooperationsabkommen mit Saudi-Arabien und Katar — insbesondere im Verteidigungsbereich und bezüglich der Lieferung von Seemarinedrohnen; eine Vereinbarung mit den VAE befindet sich noch in Entwicklung.

Allerdings bleibt die Dieselvereinbarung rahmengebunden: konkrete Mengen, Preise und Logistikrouten wurden nicht öffentlich bekannt gegeben. Die Umsetzung liegt bei Privatunternehmen, nicht beim Staat.

April: Treibstoff ist vorhanden, der Preis ist die Frage

Der März-Importrekord schuf nach Kuwuns Aussage einen „anständigen Übergangslagerbestand" für April. Einzelhandelsketten haben Verträge abgeschlossen. Es gibt keinen Mangel. Aber die Preise an den Tankstellen spiegeln bereits die neue Realität wider: Ende März kostete Diesel bei großen Ketten durchschnittlich 85,76 Griwna/l, und die Ukraine gehörte zu den zehn Ländern der Welt mit der höchsten Teuerungsrate — +33,9% pro Monat.

Die Aprilkontrakte sind formal abgeschlossen, aber ihr Preis ist noch nicht endgültig festgelegt: Die Lieferanten hielten bis zuletzt inne und warteten auf Marktsignale. Wenn die Börsennotierungen auf dem aktuellen Niveau bleiben, könnte der Einkaufspreis für die Ukraine im April noch höher ausfallen als im Rekordmärz.

Separat startete die Regierung einen Cashback auf Treibstoff — ein Mechanismus der teilweisen Kompensation für Verbraucher —, was die Anerkennung des sozialen Drucks durch steigende Preise zeigt.

Die Frage ist nicht, ob es im April Diesel geben wird — es wird ihn geben. Die Frage ist, ob Händler ihre Marge halten können, wenn ICE wieder einen Sprung macht: Selenskyjs Abkommen mit dem Nahen Osten stabilisiert die Mengen, aber nicht den Preis.

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