Gebäude mit einer Fläche von 20 Quadratmetern. Grundstück mit einer Fläche von 5.000 Quadratmetern. Ein Unterschied um das 250-fache — das ist der Kern des Systems, das das Handelsgericht Kiew nun zur Liquidation verpflichtet hat.
Wie das System funktionierte
Nach Angaben der Pressestelle der Staatsanwaltschaft der Stadt Kiew registrierte das Unternehmen „Studija City" das Eigentumsrecht an einem Taubenschlag in der Str. Akademika Jefremowa, 29В im Rayon Swjatoschyn. Das Gebäude ist eine Schwarzbauten: Ein Grundstück zur Bebauung wurde nicht zugeteilt, erforderliche Genehmigungsdokumente fehlen.
Der weitere Mechanismus ist einfach: Mit dieser „Immobilie" initiierte das Unternehmen die Bildung und Registrierung eines Grundstücks von 0,5 Hektar im Staatlichen Landkataster. Der nächste Schritt, wie Glavkom berichtet, war die Erlangung des Miet- oder Eigentumsrechts an diesem Grundstück für den Bau eines Mehrfamilienhauses mit Handels- und Unterhaltungsinfrastruktur. Der Wert des Grundstücks — über 20 Millionen Hrywnja.
Das „Toiletten-System" beinhaltet die Registrierung von nicht existierenden oder widerrechtlich errichteten Immobilien, durch die das Eigentumsrecht an Land darunter registriert wird.
Tymur Tkachenko, Leiter der Kiewer Stadtverwaltung
Kein Einzelfall, sondern ein System
Der Begriff „Toiletten-System" entstand nicht zufällig. Wie Tkachenko erklärte, registrierten Grundstücksspekulanten Eigentumsrechte an kleinen Bauwerken — Kiosken, Toiletten, Taubenschlägen — und kaperten auf diese Weise Hektar an städtischem Land.
Im Februar 2025 veröffentlichte das Nationale Büro zur Korruptionsbekämpfung im Rahmen der Operation „Saubere Stadt" Aufzeichnungen von verdeckten Ermittlungsmaßnahmen. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft und des NABУ stand hinter dem System eine kriminelle Organisation unter der Leitung des ehemaligen Kiewer Stadtratsabgeordneten Denys Komarnyzkyj, der zur Fahndung ausgeschrieben wurde. Insgesamt zehn Personen erhielten Vorwürfe, sieben wurden festgenommen. Mitglieder der Organisation registrierten nach Aussage der Ermittler das Eigentumsrecht an Bauwerken, die in vielen Fällen auf den Grundstücken nie existierten, und die Annahme der erforderlichen Entscheidungen wurde von Stadtratsabgeordneten und Beamten der Kiewer Stadtverwaltung sichergestellt.
Der Fall des Unternehmens „Studija City" ist formell ein separates Verfahren — die Staatsanwaltschaft bestätigte keine Verbindung zur „Sauberen Stadt". Aber die Logik des Systems ist identisch.
Was das Gericht entschieden hat
- Verpflichtete das Unternehmen „Studija City", den Taubenschlag in der Str. Jefremowa, 29В abzureißen.
- Hob die staatliche Registrierung des Grundstücks von 0,5 Hektar im Staatlichen Landkataster auf.
- Gab das Grundstück im Wert von über 20 Millionen Hrywnja faktisch in das kommunale Eigentum der territorialen Gemeinde Kiew zurück.
Die Entscheidung des Handelsgerichts tritt nach Ablauf der Frist für Berufung in Kraft. Das Unternehmen „Studija City" hat das Recht, diese anzufechten — und genau hier könnte das System seine Existenz in den Sälen des Berufungsgerichts fortsetzen.
Ein bedeutsamer Punkt: Das Gericht hob die Registrierung des Grundstücks auf, aber ein Mechanismus, der eine erneute Registrierung solcher „Objekte" ohne physische Überprüfung vor Ort unmöglich macht, existiert in der ukrainischen Gesetzgebung bislang nicht. Wenn das Parlament die Grundstücke nicht diese Lücke schließt, bevor die Gerichte die aktuelle Welle von Fällen abarbeiten, wird das nächste Taubenschlag auf der Katasterkarte erscheinen, bevor das vorherige abgerissen wird.