Im Februar 2026 erhielt das Unternehmen „Reale Engineering Invest" von russischen Regulierungsbehörden eine Lizenz zur Erkundung und zum Abbau von Bodenschätzen auf dem Weliko-Tokmaczkoe-Manganerzlager in der Region Saporischschja. Im April bestätigte Rostechnadzor: Geologische Erkundungsarbeiten sind bereits im Gange. Laut „Kommersant" ist in der Unternehmensstruktur ein Vermögenswert vorhanden, der mit dem staatlichen Konzern Rostec verbunden ist.
Weliko-Tokmaczkoe ist nicht einfach nur eines von vielen Lagerstätten. Zusammen mit dem Nicopol-Bezirk bildet es das Nicopol-Manganbecken — eines der weltweit größten nach Erzvorkommen (2,1 Milliarden Tonnen). Bis 2022 gehörte die Ukraine zu den Top-10-Manganproduzenten der Welt und war ein bedeutender Rohstofflieferant für Europa.
Lizenz als Annexionsinstrument
Das, was in der Region Saporischschja geschieht, ist keine spontane Aktivität eines privaten Unternehmens. Wie das Stockholmer Internationale Friedensforschungsinstitut (SIPRI) anmerkt, sieht die „Strategie zur Entwicklung der Mineral- und Rohstoffbasis" Russlands aus dem Jahr 2024 direkt die „Integration der Mineral- und Ressourcenkomplexe der Region Saporischschja und anderer besetzter Gebiete in die russische Wirtschaft" vor — einschließlich der Manganerzlagerstätten.
„Diese wirtschaftliche Integration ist die Schlüsselmethode der Annexion ukrainischer Territorien — ihre direkte Aufnahme in staatliche Industriestrategien"
SIPRI, Mai 2025
Die Vergabe einer Lizenz an ein Strohunternehmen mit Rostec-Verbindung ist kein Korruptionsschema für schnelle Gewinne. Dies ist die rechtliche Formalisierung von Eigentumsrechten an Bodenschätzen, die Russland in jedem zukünftigen Verhandlungsszenario für sich zu bewahren hofft.
Was bedeutet „industrielle Erschließung"
Geologische Erkundung ist der erste, aber ein grundlegender Schritt. Sie bietet die Grundlage für weitere Abbaulgenehmigungen, Investitionsbeschaffung und, was wichtig ist, für die Aufnahme der Lagerstätte in die offizielle russische Bilanzbilanz der Bodenschatzreserven. Nach diesem Punkt kann Mangan aus der besetzten Region Saporischschja legal in Rostecs Exportverträgen erscheinen.
Mangan ist ein kritischer Rohstoff für die Stahl- und Akkumulatorenherstellung. Bis 2022 deckte die Ukraine einen großen Teil des europäischen Bedarfs an diesem Metall. Jetzt könnten diese Lagerstätten möglicherweise zur Versorgung des russischen Militärisch-Industriellen Komplexes oder zum Re-Export über Drittländer unter Umgehung von Sanktionen dienen.
- Nicopol-Manganbecken — Vorkommen 2,1 Milliarden Tonnen, Mangangehalt 8–34%
- Weliko-Tokmaczkoe-Bezirk vollständig besetzt seit 2022
- Rostechnadzor bestätigte die Durchführung von Arbeiten im April 2025
- Rostec ist in der Struktur des Lizenznehmers vertreten, trotz Sanktionsbeschränkungen
Mineralienabkommen USA–Ukraine: Paralleler Kontext
Am 30. April 2025 unterzeichneten Washington und Kiew ein Abkommen über die gemeinsame Nutzung ukrainischer Mineralressourcen. Laut SIPRI-Bewertung ist der Abbau von ukrainischem Graphit, Mangan und Titan „wichtig und wird wichtig bleiben für die Verringerung der Anfälligkeit westlicher Lieferketten". Das Abkommen enthält jedoch keinen Mechanismus zur Rückgabe besetzter Lagerstätten — daher existiert Weliko-Tokmaczkoe darin nur als hypothetischer Vermögenswert.
Russland wiederum macht diese Hypothese zu einem vollendeten Faktum: Die Lizenz ist erteilt, Bohrarbeiten sind im Gange, Rostec ist in der Struktur. Je mehr Moskau vor etwaigen Verhandlungen legalisieren kann, desto teurer wird der Preis der Debesatzung — nicht nur militärisch, sondern auch rechtlich.
Wenn Friedensverhandlungen ohne ausdrückliche Bedingung zur Aufhebung aller von Russland auf besetzten Territorien erteilten Lizenzen wieder aufgenommen werden, könnte die Weliko-Tokmaczkoe-Lagerstätte in einer „Grauzone" enden — wo die faktische Kontrolle von Rostec mit der formalen Souveränität der Ukraine konkurriert.