Die Gasförderung in der Ukraine ist auf den niedrigsten Stand seit vielen Jahren gefallen — und das ist nicht nur Statistik

2025: Die Ukraine förderte 16,97 Milliarden Kubikmeter Gas — zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Hinter dieser Zahl stehen zerstörte Infrastruktur, die erzwungene Stilllegung von Förderbohrungen und die Frage, ob private Investitionen die durch Raketen verursachten Verluste rechtzeitig ausgleichen können.

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Нафтогаз України (Фото: пресслужба групи)

Stellen Sie sich eine Bohrung in der Oblast Poltawa vor, die jahrelang Gas geliefert hat. Nach einem massiven Schlag im Winter 2024–2025 — schweigt sie. Multiplizieren Sie das mit Dutzenden von Anlagen im ganzen Land, und Sie erhalten die Zahl, die Premierminister Denys Schmyhal im Mai 2025 nannte: 16,97 Mrd. Kubikmeter — der niedrigste Förderwert seit vielen Jahren.

Zum Vergleich: Im Jahr 2024 förderte die Ukraine über 19 Mrd. Kubikmeter. Der Rückgang beträgt mehr als 10 % binnen eines Jahres.

Raketen als Instrument der energetischen Degradierung

Schmyhal erklärte bereits im April 2025 die Mechanik: Im Verlauf des Winters zerstörten russische Angriffe auf die gasfördernde Infrastruktur Kapazitäten, die fast 50 % der gesamten Fördermenge lieferten. Das ist keine Metapher — es handelt sich um konkrete Kompressorstationen, Pipelines und die oberirdische Verrohrung von Bohrungen. Eine schnelle Wiederherstellung ist nicht möglich: Ein Teil der Anlagen befindet sich in Zonen mit Risiko erneuter Angriffe.

Privatunternehmen wachsen — «Укргазвидобування» fällt

Innerhalb der Branche klafft eine Lücke. Private Firmen haben die Förderung um 14 % gesteigert: Sie sind mobiler, richten Bohrteams schneller um und sind weniger abhängig von zentralisierter Infrastruktur, die zum Ziel geworden ist. Dagegen hat das staatliche «Укргазвидобування», das den Löwenanteil des Gesamtwertes ausmacht, die größten Verluste erlitten — gerade wegen des Umfangs und der geografischen Lage seiner Assets.

Diese Asymmetrie ist wichtig: Sie bedeutet, dass die Wiederherstellung der Förderung nicht nur von der Sicherheitslage abhängen wird, sondern auch davon, inwieweit der Staat bereit ist, privatem Kapital — insbesondere ausländischem — realen Zugang zu den Lagerstätten zu gewähren und nicht nur deklarative Einladungen auf Konferenzen auszusprechen.

Was das für die Energiebilanz bedeutet

Die Ukraine verbraucht etwa so viel Gas, wie sie fördert — bzw. importiert die Differenz. Bei einer Förderung unter 17 Mrd. Kubikmetern und dem Fortbestehen des aktuellen Verbrauchsniveaus nimmt die Abhängigkeit von Importen zu. 2025 geschieht dies vor dem Hintergrund des fehlenden Transits russischen Gases durch das ukrainische GTS — die Vereinbarung zwischen «Нафтогазом» und «Газпромом» wurde nicht über den 1. Januar 2025 hinaus verlängert.

Mit anderen Worten: Die Ukraine hat zugleich Transit-Einnahmen und einen Teil ihrer eigenen Förderung verloren — und ist gezwungen, über unterirdische Speicher und Reverslieferungen aus Europa zu balancieren.

Wiederaufbau unter Beschuss

Die Branche versucht, sich anzupassen: Einige Unternehmen verlegen die oberirdische Infrastruktur unter die Erde oder tarnen sie und investieren in Redundanzen. Aber das kostet Geld und Zeit — zwei Ressourcen, die in einer Kriegswirtschaft chronisch knapp sind.

Die offene Frage lautet: Wenn die Intensität der Angriffe auf die Energieinfrastruktur in den Jahren 2025–2026 nicht abnimmt, kann das Wachstum der privaten Förderung um 14 % die weiteren Verluste des staatlichen Sektors kompensieren — oder werden wir im nächsten Jahr einen weiteren rekordtiefen Wert sehen?

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