UBS rät, Portfolios neu auszurichten: von Software zu „Atomen“ – Folgen für den Markt und für die Ukraine

Eine Schweizer Bank hat aufgehört, auf ein breites Spektrum von Softwareunternehmen zu setzen, wegen der mit KI verbundenen Risiken. Das ist nicht nur ein Signal an globale Investoren – für die Ukraine bietet sich dadurch die Chance, Kapital in Produktion, Energie und den Wiederaufbau der Infrastruktur anzuziehen.

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UBS (фото: EPA)

Einleitung: warum das gerade jetzt wichtig ist

UBS empfiehlt Anlegern auf Basis von Einschätzungen der Kapitalverwaltungs‑Einheit UBS Wealth, die Portfoliogewichtung schrittweise von überwiegend softwareorientierten Unternehmen hin zu Herstellern physischer Infrastruktur — Energieanlagen, Rohstoffe und Bergbau — zu verschieben. Bloomberg berichtet, die Bank habe eine solche Transformation bereits begonnen und begründe sie mit den wachsenden Risiken, die die Einführung von Künstlicher Intelligenz mit sich bringt.

Warum UBS die Empfehlungen ändert

Die Logik ist einfach: KI beschleunigt Automatisierung und Standardisierung von Dienstleistungen und Software, wodurch der Schutz traditioneller intellektueller Vermögenswerte abnimmt. UBS trennt zwei Gruppen — AI-first-Unternehmen, die Übergewinne erzielen können, und die breite Masse an Software‑ und Dienstleistungsfirmen, die verwundbar werden könnten.

„In den letzten Jahren sah es aus wie eine Flut, die alle Boote hebt. Aber in diesem Jahr wird KI zunehmend über Gewinner und Verlierer entscheiden. Die gesamte digitale Ökonomie kann durch KI neu gedacht werden, und das ist ein Risiko für weite Teile des Aktienmarktes.“

— Ulrike Hoffmann‑Burchardi, globale Leiterin des Aktienbereichs und Investmentdirektorin für Amerika, UBS Wealth (Bloomberg)

Der Markt reagiert bereits: die Technologierallye ist seit Ende Oktober ins Stocken geraten, und der IT‑Sektor im S&P 500 hat seit dem Rekord am 28. Oktober rund 8,6 % verloren. Dagegen stiegen Energie und Rohstoffe um mindestens 20 %, da Anleger Kapital in Richtung „Assets der realen Welt“ umschichten.

Ein Beispiel für die Volatilität: Am 23. Februar 2026 fielen die IBM‑Aktien um 13 %, nachdem bekannt wurde, dass möglicherweise das Tool von Anthropic zur Modernisierung alter Systeme eingesetzt werden soll — ein Beispiel dafür, wie Nachrichten aus dem KI‑Bereich sofort den Wert traditioneller IT‑Assets beeinflussen können.

Was das für Anleger und für die Ukraine bedeutet

Für Anleger ist das ein Signal, Portfoliorisiken zu überdenken: immaterielle Vermögenswerte und langfristige Investments, einschließlich Private Equity, erfordern in einer Welt, in der KI nicht mehr nur Wachstums‑Treiber sondern potenzieller Destabilisator ist, eine höhere Risikoprämie. UBS betont gleichzeitig, dass AI-first-Unternehmen weiterhin Priorität unter den Softwarefirmen haben, die Aussicht auf Werterhalt besitzen.

Für die Ukraine bedeutet die Verschiebung der Investmentpräferenzen eine reale Chance. Ein zunehmendes Interesse an Produktion, Energie, Rohstoffen und Bergbau könnte Kapitalzuflüsse für den Wiederaufbau der Infrastruktur, die Entwicklung des Energiesektors und die lokale Industrie bedeuten, einschließlich der Rüstungsproduktion. Analysten weisen darauf hin: Wenn Anleger nach „Atomen“ suchen, gewinnen Länder mit Produktionskapazitäten und Rekonstruktionsbedarf einen Wettbewerbsvorteil.

Kurzfristige Prognose

Die aktuelle Makrolage — eine Lockerung der Geldpolitik und Hoffnungen auf nachhaltiges Wachstum — kann den Aktienmarkt insgesamt stützen. Aber die Wahl der „Gewinner“ wird zunehmend davon abhängen, ob Unternehmen KI als fundamentalen Wettbewerbsvorteil integrieren können oder über reale materielle Vermögenswerte verfügen. Für die Ukraine heißt das: bereit sein, Investitionen in den realen Sektor anzunehmen und Projekte mit klaren Amortisierungsplänen anzubieten.

Ob die Ukraine dieses Zeitfenster für den industriellen Wiederaufbau und zur Stärkung der energetischen Unabhängigkeit nutzen wird, hängt von der Geschwindigkeit der Reformen, transparenten Investitionsbedingungen und der Fähigkeit ab, das Interesse internationaler Kapitalgeber in konkrete Fabriken, Häfen und Energieprojekte zu verwandeln.

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