Budanov rechnet mit einem Machtwechsel in Ungarn — und die Daten sprechen dafür, dass das nicht unbegründet ist.

Der Leiter des Präsidialamts nannte die Beziehungen zu Ungarn und zur Slowakei ein vorübergehendes Problem. Während er im CEO Club darüber sprach, lag die ungarische Opposition 20 Prozentpunkte vor Orbán.

18
Aktie:
Кирило Буданов (Фото: Офіс президента)

„Nichts ist ewig — weder die Macht in Ungarn, noch diese Situation, die sich jetzt ergeben hat“, sagte der Leiter des Präsidialamts Kyrylo Budanov bei einem Treffen im CEO Club Ukraine. Das klingt wie ein diplomatischer Euphemismus, doch dahinter steckt eine ganz konkrete wahlpolitische Arithmetik.

Was in Ungarn passiert

Die Parlamentswahlen sind für den 12. April 2026 geplant. Die Oppositionspartei „Tisa“ von Péter Magyar liegt laut dem Forschungszentrum Median für die Zeitung HVG unter den Wahlbereiten um 20 Prozentpunkte vor der regierenden „Fidesz“. Ein solcher Vorsprung könnte „Tisa“ potenziell eine verfassungsändernde Mehrheit verschaffen — also die Möglichkeit, die Spielregeln ohne Koalitionsverhandlungen neu zu schreiben.

„Die Einsätze dieser Wahlen gehen weit über Ungarn selbst hinaus.“

Bloomberg

In den 16 Jahren an der Macht hat Orbán einen EU-Kredit für die Ukraine in Höhe von €90 Mrd. blockiert, gemeinsam mit der Slowakei Lieferungen von Elektrizität gestoppt und die Unterstützung des 20. Sanktionspakets gegen Russland verhindert. Doch die antiukrainische Rhetorik hat den Rückgang seiner Zustimmungswerte nicht aufgehalten — sie hat ihn beschleunigt.

Magyar — kein automatischer Neustart

Hier gibt es einen wichtigen Nuancenunterschied, den Budanov in seinem Optimismus vielleicht nicht laut aussprach. Magyar ist kein pro‑ukrainischer Kandidat im klassischen Sinn: Er sprach sich gegen einen beschleunigten EU‑Beitritt der Ukraine aus, lehnte Waffenlieferungen an Kiew ab und kündigte ein mögliches Referendum zur Euro‑Integration an — was diesen Prozess endgültig blockieren könnte. Seine Partei „Tisa“ stimmte im Europäischen Parlament gegen den EU‑Kredit an die Ukraine in Höhe von €90 Mrd.

Gleichzeitig hält die Hälfte der Ungarn die Ukraine für eine Gefahr für Ungarn, 64 % sprechen sich gegen einen Beitritt der Ukraine zur EU aus und 74 % sind gegen finanzielle Hilfe für Kiew. Magyar ist Produkt dieser Gesellschaft und nicht ihre Ausnahme.

Slowakei: andere Logik, ähnliches Ergebnis

Budanov ging gesondert auf die Slowakei ein: reaktiv, aber nicht hoffnungslos. Zu Beginn der großflächigen Invasion nahm gerade die Slowakei den höchsten Anteil ukrainischer Geflüchteter im Verhältnis zur eigenen Bevölkerung auf und bleibt Partner in einer Reihe bilateraler Projekte. Fico reproduziert das Orbán‑Modell — Drohungen, Erpressung über Transit, Blockade von Sanktionen — allerdings mit weniger Systematik und größerer Abhängigkeit von der aktuellen politischen Lage.

Der grundlegende Unterschied zwischen den beiden Ländern: Orbán hat seine anti‑ukrainische Haltung über Jahre institutionell aufgebaut, Fico reagiert situativ auf inneren Populismus. Das bedeutet, dass die Slowakei theoretisch „weicher“ für eine Kehrtwende ist — aber auch weniger vorhersehbar.

Wenn „Tisa“ eine verfassungsändernde Mehrheit erhält und Magyar tatsächlich mit der Revision der ungarischen Außenpolitik beginnt, liegt die entscheidende Frage nicht darin, ob er die Blockade der Ukraine in der EU aufheben wird — sondern ob sich die ungarische Gesellschaft schnell genug verändert, um ihm dies zu erlauben, ohne dass er dafür an den Urnen bestraft wird.

Weltnachrichten